Kennen Sie das Musical „Anatevka“? Die Hauptfigur, der Milchmann Tevje, hat darin einen Solo-Song, der geht so: „Wenn ich einmal reich wär … O je wi di wi di wi di wi di wi di wi di bum …“ Tevje träumt von einer kunstvoll geschnitzten Haustür und viel Geflügel im Innenhof. Hmmm. Das steht für uns heute vielleicht nicht mehr ganz oben auf dem Wunschzettel. Social Media und Hochglanz-Zeitschriften führen uns täglich vom Urlaub im Luxus-Ressort über bestimmte Handtaschen bis hin zur Rolex-Uhr ganz andere Status-Symbole vor Augen. Aber was von den zeitgemäßen Luxus-Gütern ist wirklich toll? Hier kommt meine ganz persönliche Auslese: Was würde ich mir gönnen, wenn Geld keine Rolle spielte – und wofür würde ich auf keinen Fall Geld ausgeben, auch wenn ich noch so viel davon hätte?

Das erste, was mir in den Sinn kommt ist: Kein Diamant-Schmuck! Der ist entweder klein und langweilig oder – wenn größer – lebensgefährlich beim Tragen in der Öffentlichkeit. Viel besser: Ich mag Modeschmuck, der groß, modern und klar ist. Zum Beispiel die Ohrringe von Monies. Das passt zu meinem Stil-Typ. Für Frauen, denen kleine glitzernde Kettchen und Ohrringe gut stehen, sind Swarowski-Steine eine gute Alternative. Die signifikante Preisdifferenz zum Echtschmuck lässt sich wunderbar für gute Zwecke, z. B. für Frauen in Afghanistan spenden.
Daimler musste im 2. Quartal diesen Jahres in der Pkw-Sparte einen Gewinneinbruch von 26 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Das wundert mich nicht! Sämtliche Mercedes-Modelle sehen inzwischen aus wie überdimensionierte Keksdosen. Würde ich auf keinen Fall kaufen! Mir fällt auch kein Stiltyp ein, mit dem ein Keksdosen-Look harmoniert. Ich würde versuchen, eins von den alten SLK-Modellen stattdessen vintage zu erwerben – oder einfach bei meinem geliebten Mazda 2 bleiben, den gibt es jetzt nämlich auch als E-Auto, genauso klein und elegant wie vorher der Benziner.
Gefühlt in jeder zweiten Ausgabe einer Modezeitschrift gibt es ein „Uhren-Special“. Gezeigt werden Cartier, Rolex und Co., Preise ab 15.000 Euro. Sollten diese Zeitanzeiger tief in Ihrem Innern ein Gefühl des Hingezogenseins, eine Sehnsucht aufkeimen lassen, dann machen Sie einfach folgendes: Bis vier zählen, dabei tief in den Bauch atmen und auf acht den Gedanken an diese Uhr wieder ausatmen. Klassische Luxus-Uhren passen nur zu wenigen weiblichen Stiltypen, an den meisten Frauen wirken sie wie Fremdkörper und haben deshalb die Aussage „peinliches Statussymbol“. Das erkennt man sofort selbst an den Celebrities, die in der begleitenden Werbung als Model fungieren. Viel besser sind schlichte oder verspielte Uhren oder einfach gar keine. Das Handy zeigt schließlich auch die Zeit korrekt an.
Lebensfrohe Accessoires statt Aktenzeichen
Taschen mit Buchstaben-Salat oder Gürtel mit Buchstaben als Schnalle kommen mir unter keinen Umständen in den Accessoire-Schrank! Ich bin zwar nicht mehr so schlank wie mit 30, aber in der Rolle einer Litfaßsäule sehe ich mich noch lange nicht und ein Aktenzeichen brauche ich auch nicht. Wenn man sich mal ernsthaft und nüchtern diese Teile ansieht, wird doch sofort glasklar, dass die gestalterische Grundidee einfach flach ist! Besser und billiger: Bree, Abro, Liebeskind. Da gibt es schöne Formen ganz ohne Logi und das auch noch in einer Vielzahl an schönen Farben. Frohes Leben statt Braun und Beige! Aus dem gleichen Grund würde ich auch kein beiges Spaghetti-Träger Seiden-Top mit braunen Muscheln drauf für 1.600,00 Euro kaufen, das ich kürzlich in einer Zeitschrift gesehen habe, sondern lieber mal bei Zara oder COS nach etwas in einer Farbe suchen, die mir steht.
Manche Frauen sammeln ikonische Handtaschen. Für eine Birkin Bag in einer besonderen Ausführung blättern sie auch schon mal 200.000,00 Euro hin. Das ist wirklich dekadent. Für diesen Betrag bekäme man ja schon vier diamantbesetzte Rolex-Uhren oder bei Mercedes zwei fahrbare Keksdosen! Mir hat es hingegen eine andere Handtasche angetan, die nur noch Vintage erhältlich ist: die Celine Belt Bag. Da geht auch was unter 2000,00 Euro …
Mehr Reichweite für Individualität
Ein Lippenstift für 70,00 Euro ist nicht cremiger oder haltbarer als das meiste aus dem Drogeriemarkt. Das Status-Symbol ist hier einfach nur die Hülle, erkennbar an den charakteristischen Streifen. Aber was nützt mir ein Status-Symbol, das ich nur auf der Damentoilette zeigen kann? Ein Premium-Parfüm (gibt es inzwischen von fast allen Luxusmarken für ca. 300,00 Euro) oder die neuen Düfte aus der Serie Extrait de Cologne von Farina wirken hingegen überall und sind deshalb eine absolut lohnende Alternative zu den weit verbreiteten Mainstream-Chemiekeulen für 80,00 Euro.
Für den Urlaub könnte man sich eine Ferien-Suite mit Privatpool, Maße 3×4 Meter, mieten. Ich frage mich: Kann man da zwei Züge schwimmen oder vielleicht doch sogar drei? Für ständiges Anstoßen an eine gekachelte Wand ist das viel zu teuer! Mein Geheimtipp für entspanntes Schwimmen ist der Aquapark Baunatal: Samstags gegen Abend ist das Schwimmerbecken praktisch leer, Spätschwimmertarif: 3,50.
Gedankenspiele wie diese machen Spaß und schärfen den Blick dafür, was für uns persönlich einen Wert hat. Wofür würden Sie Geld ausgeben, wenn Sie reich wären?
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