Man geht damit zur Arbeit und frau ist damit angeblich auch in jeder Lebenslage gut angezogen: mit dem weißen Hemd bzw. der weißen Hemdbluse. Ich mag die beiden auch sehr, sie haben so etwas Frisches und Unkompliziertes, Klassisches und Geradliniges. Dennoch findet sich in meinem Kleiderschrank keine einzige weiße Bluse und meinen Kunden kann ich das weiße Hemd auch nur in seltenen Fällen empfehlen. Warum? Schließlich ist die Farbe doch in allen Kulturen dieser Welt positiv besetzt … 

Wem steht es?

Weiß ist die Farbe des Lichts. Weiß steht für – na klar – Unschuld, aber auch noch für ein paar spannendere Werte wie Wahrheit, Vollkommenheit, Göttlichkeit und Unsterblichkeit. Leider steht Weiß als Kleidungsstück jedoch kaum jemandem gut zu Gesicht. Wer sind die wenigen Glücklichen, die darin erstrahlen? Entweder sehr helle skandinavische Typen oder Menschen, die von Natur aus einen Kontrast in sich tragen. So ein Kontrast kann zum Beispiel aus dunklen Haaren und sehr heller Haut bestehen. Auch ein auffallend blitzendes Augenweiß ruft manchmal nach einem weißen Oberteil. In letzteren beiden Fällen sollte das Weiß am Oberkörper jedoch nicht alleine stehen. Erst der dunkle Kontrast oder die Ergänzung mit einer Knallfarbe ergeben ein vital wirkendes Outfit.

Die meisten Menschen aber lässt ein weißes Oberteil – egal in welcher Kombi – blaß aussehen. Während Frauen noch über den Ausweg Make up wieder Leben in ihr Gesicht bringen können, sind Männer beim weißen Hemd echt benachteiligt. Sie tragen es, liebe Leser, um seriös und professionell zu wirken, nicht wahr? Diese gute Absicht wird aber in den meisten Fällen vom weißen Hemd nicht belohnt. Der optische Eindruck, der entsteht, geht eher in Richtung kraftloser Internatsschüler statt wehrhafter Manager. Dieser Effekt kann sich sogar noch verstärken, wenn – wie inzwischen so oft – die Krawatte fehlt. Denn die Entschädigung für den eingeengten Hals war immerhin ein belebender Farbtupfer in Gesichtsnähe.

Welche Alternativen gibt es?

Aber kann es denn überhaupt ein Leben ohne das weiße Hemd geben? Ist die weiße Hemdbluse nicht auch in der Freizeit nahezu unersetzlich? Zumal dieses Kleidungsstück perfekt in den momentan vorherrschenden klassisch-sportlichen Megatrend passt. Ich habe da einen Vorschlag: Nehmen Sie den Schnitt – und ändern Sie die Farbe! Schwarze Hemden und Hemdblusen sind zum Beispiel wirklich cool. Sie verleihen dem Business-Outfit eine existentialistische Note, wirken entschlossen und stark. Okay, in der Werbeagentur hat sich das schon durchgesetzt, in der Bank wird da vielleicht nie was draus. Zum klassischen Business-Dresscode gehört tatsächlich ein helles Hemd oder eine helle Bluse. Aber erstens ist der klassische Business-Dresscode auf dem Rückzug und zweitens ist dabei immer auch Hellblau erlaubt. Und Hellblau ist im Vergleich zu Weiß wirklich eine Erlösung! Die Agentur-Chefs Albrecht Kresse (im Foto links) und Jannis Herzog von edutrainment company machen es vor: Hellblau steht den meisten Menschen gut.

Und in Ihrer Freizeit haben Sie sowieso die Wahl: Suchen Sie sich einfach ein klassisches Hemd oder eine klassische Bluse in einer Farbe aus, die Ihnen wirklich gut steht! Ganz einfach!

2 Kommentare zu “Das weiße Hemd

  1. Liebe Astrid,
    mit Vergnügen habe ich Deine Kolumne zum „weißen“ Hemd gelesen ….
    Ich habe jedoch andere Erfahrungen und Wahrnehmungen: Insbesondere im Angesicht des nun 1-jährigen Homeoffice-T-Shirt-Polo-Looks – gerne auch in grellen Farben – empfinde ich Mann / Frau in einem (gerne auch aufgekrempelten) weißen Hemd (Bluse) mit geöffnetem oberen Knopf als wohltuend erfrischend, lässig und korrekt zugleich. Ich greife zum weißen Hemd (nenne es lieber Hemd als Bluse) und kombiniere es gerne zur beigen (!) oder hellgrauen Hose und fühle mich frischer als nur frisch geduscht damit 😉 und starte so gerne in den Arbeitstag.
    Das Hellblau (und Mittel-/Dunkelblau beim Anzug) der beiden Herren wirkt auf mich dagegen oft zu „soft“.
    Krawatten fand ich schon immer überflüssig (bevorzuge Schals funktional und als Accessoire); mein Mann trägt diese seit ein paar Jahren auch nur noch zu besonderen Gelegenheiten (gut so). Schöne Krawatten finde ich klasse als Farbtupfer; z.B. z.B. Haarband oder Gürtel (in schlichten Hosen).
    Weiß hat für mich eine angenehme „Härte“, Klarheit und wirkt auf mich „entschlossener“ als Hellbau oder Grau.
    Deshalb: Mut zu Weiß; ich trage es nicht oft, aber wenn, fühle ich mich schier unbesiegbar 🙂 und jede noch so simple Hose ist geadelt!
    Liebe Grüße, Bettina
    (heute – wie so oft – im schwarzen Kleid)

    1. Liebe Bettina, ja, ich stimme dir zu zu: Ein weißes Hemd wirkt frisch, korrekt und entschlossen – wenn man auf das Hemd schaut. Ich schaue jedoch immer auf die Zusammenwirkung von Gesicht und Kleidungsstück. Was macht das Oberteil mit dem Gesicht? Und da schneidet das weiße Hemd oft nicht so gut ab …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.